Was ist die Risikobehandlung in ISO 27001?
Übersicht
Die Risikobehandlung ist der Prozess der Auswahl und Implementierung von Optionen zur Bewältigung von Informationssicherheitsrisiken, die während der Risikobewertung identifiziert wurden. Es handelt sich um eine obligatorische Anforderung in ISO 27001:2022 (Klausel 6.1.3 und Klausel 8.3), die die Brücke zwischen der Risikobewertung und der praktischen Umsetzung von Sicherheitsmaßnahmen schlägt.
Die Risikobehandlung wandelt die Ergebnisse Ihrer Risikobewertung durch vier standardisierte Ansätze in umsetzbare Entscheidungen darüber um, wie mit jedem identifizierten Risiko verfahren werden soll.
Risikobehandlung in der Praxis
Nach Abschluss einer Risikobewertung müssen Sie entscheiden, wie Sie jedes Risiko basierend auf dem Risikoappetit und den Ressourcen Ihrer Organisation angehen. ISO 27001:2022 verlangt von Ihnen:
Auswahl geeigneter Optionen zur Risikobehandlung für jedes identifizierte Risiko
Bestimmung der erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen zur Implementierung der gewählten Optionen (typischerweise aus Anhang A)
Abgleich der ausgewählten Maßnahmen mit Anhang A und Begründung etwaiger Ausschlüsse
Dokumentation der Entscheidungen in einem Risikobehandlungsplan
Einholung der Genehmigung von Risikoverantwortlichen
Die Risikobehandlung muss in Ihrer Anwendbarkeitserklärung (Statement of Applicability, SoA) dokumentiert werden, aus der hervorgeht, welche Maßnahmen aus Anhang A Sie ausgewählt haben und warum.
Die vier Optionen der Risikobehandlung
ISO 27001:2022 bietet vier standardisierte Ansätze für den Umgang mit Risiken:
1. Risikomodifikation (Minderung)
Anwendung von Sicherheitsmaßnahmen, um das Risiko auf ein akzeptables Maß zu reduzieren. Dies ist der am häufigsten gewählte Ansatz und beinhaltet die Implementierung der Maßnahmen aus Anhang A.
Beispiel: Implementierung von Zugriffskontrollen (A.5.15) und Verschlüsselung (A.8.24), um das Risiko eines unbefugten Datenzugriffs zu verringern.
2. Risikovermeidung
Eliminierung des Risikos durch Einstellung der Aktivität, die es verursacht.
Beispiel: Einstellung der Nutzung eines anfälligen Altsystems durch Migration auf eine sichere Cloud-Plattform.
3. Risikoteilung (Transfer)
Teilung des Risikos mit einer anderen Partei, in der Regel durch Versicherungen oder Outsourcing-Verträge.
Beispiel: Abschluss einer Cyberversicherung oder Nutzung eines Managed Security Service Providers für die Bedrohungsüberwachung.
4. Risikobeibehaltung (Akzeptanz)
Akzeptanz des Risikos, wenn es innerhalb Ihrer Risikoakzeptanzkriterien liegt und die Behandlungskosten die potenziellen Auswirkungen übersteigen.
Beispiel: Akzeptanz des geringen Risikos eines physischen Diebstahls in einem gesicherten Bürogebäude mit bestehenden Sicherheitsvorkehrungen.
Die Risikoakzeptanz erfordert eine dokumentierte Genehmigung durch die Risikoverantwortlichen und muss mit den in Klausel 6.1.2 definierten Risikoakzeptanzkriterien Ihrer Organisation übereinstimmen.
Risikobehandlungsplan
Ihr Risikobehandlungsplan ist ein erforderliches Dokument (Klausel 6.1.3), das Folgendes festlegt:
Die gewählten Optionen zur Risikobehandlung für jedes Risiko
Welche Maßnahmen implementiert werden und warum
Zuständigkeiten für die Umsetzung und Zeitpläne
Ressourcenanforderungen
Wie die Wirksamkeit gemessen wird
Verbindung zu den Maßnahmen in Anhang A
Die Risikobehandlung bestimmt direkt, welche der 93 Maßnahmen aus Anhang A Sie implementieren. Ihre SoA muss Folgendes aufzeigen:
Auf Basis von Risikobehandlungsentscheidungen ausgewählte Maßnahmen
Bereits implementierte Maßnahmen
Begründung für den Ausschluss jeglicher Maßnahmen aus Anhang A
Nutzen Sie den ISMS-Copilot, um Optionen zur Risikobehandlung für spezifische Szenarien zu generieren oder erstellen Sie einen maßgeschneiderten Risikobehandlungsplan basierend auf Ihren Bewertungsergebnissen.
Zugehörige Begriffe
Risikobewertung – Geht der Risikobehandlung im ISMS-Lebenszyklus voraus
Anwendbarkeitserklärung (SoA) – Dokumentiert Ihre Risikobehandlungsentscheidungen
Maßnahmen aus Anhang A – Die 93 Maßnahmen zur Risikominderung
Maßnahme – Einzelne Vorkehrungen, die das Risiko modifizieren